Was kann denn schon hier vorkommen?

Hier, in diesem bescheidenen Blog, findet man jedoch nur arme Speise, nämlich jene, die für den Geist bestimmt, und davon glaubt doch jeder viel zu haben und am meisten die, denen er gänzlich mangelt! Wer will daher einem derartigen Blog eine glorreiche Zukunft voraussagen und wozu auch?

Irgendwo muss doch der Anfang sein?

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Samstag, 20. Juni 2009

Tropfen


Wasser kann auch die Sicht behindern!

Sonntag, 14. Dezember 2008

Sentimentale Autobiografie

Arm war sie, meine Ernte, meist Gelächter nur,
mit dem man sich den andern Dingen zugewandt.
Ich lasse hinter mir nur eine kurze Spur,
die bald der Wind verweht von meines Daseins Strand.

So wäre ich dann ausgeatmet und vorbei
ist jenes kurze Spiel, das niemals ich gewann,
und niemand fragt, warum und ob es richtig sei,
dass ich gewesen und gelebt (fast) irgendwann.




Donnerstag, 19. Juni 2008

Eingeschlossen

Wenn ich den Ellenbogen
auf den Oberschenkel stütze
und mit der linken Hand die Stirn umfasse,
dann trage ich die Welt in dieser Hand,
und ich bin auch darin,
als Einer, der den Ellenbogen
auf den linken Oberschenkel stützt
und seine Stirne mit der Hand umfasst.

Mittwoch, 20. Februar 2008

Sühne

als dann vorbei,
erloschen war die kurze Flamme
einer Liebe, die sich zu spät entflammt.

Was sie Verachtung nannte,
war es spätes Wissen um ihr Übelwollen,
das aus Versuchungen des Fleisches
einer abgelegten Jugend ihr verblieben?


Ein Lächeln, fast ein Spiel, ein müder Leib,
so trug sie sich mit ihren Altersfalten
in das Gewerbe, dem sonst die verfallen,
die nie zum Wert des Lebens sich bekannten.


Und so geschah's, dass sie den Widrigkeiten
und Verlusten nur die letzte Daseinshülle 
vorhielt wie ein Maskenschutz, um trotz
Gefahr und Trauer ihrer Lenden


sich dem Verfalle hinzugeben
und sich in diesem zu erlösen. 
Zu lösen, aufzugehen in ein Nichtmehrsein,
ein Abschluss und ein endliches Vergessen.


Dienstag, 11. Dezember 2007

Morgenfrost


Die Kälte lässt mich zittern beim Erwachen,
wenn noch die Fransen einer schweren Nacht 
im Raureif sich verstecken, dessen Pracht 
der junge Tag scheint schöner noch zu machen.

Er lässt in Schneekristallen Licht entfachen, 
bis blendend Weiß die Schwärze überdacht, 
in dem der Frost sich mächtig streckt und lacht, 
dass glitzernd Eishauch strömt aus seinem Rachen. 

Trifft er die Schläfer, lässt er Träume stocken, 
die noch nicht ausgeträumt ihr trügend Gleißen. 
Ich höre seine Stimme, sein Frohlocken: 

Öffne das Fenster! lasse ich mich heißen. 
Dort weiß ich ihn mit seinen Krallen hocken 
und spüre Eisluft mein Gesicht zerreißen.



Sonntag, 02. Dezember 2007

Unruhige Nachtgedanken

Nun schläft sie endlich, diese große Stadt,
in der ein träger Wind sich manchmal durch die Straßen plagt.
Mit Staub beladen schleppt er, fast erstickt,
die Wolken einer giftverdickten Stinkroulade,
die wie Diarrhöe aus Auspufftöpfen quillt
und gierig Hals und Lunge der Passanten beizt.

So ist der Tagesablauf, aber jetzt, nach Mitternacht,
der kalte Nieselregen, der vielleicht als Glatteis
morgen die sich müde aus den Häusern schälenden Verdammten
auf ihre Hinterbacken wirft, wenn sie nicht ihre Schritte
mit Bedacht gesetzt oder sogar, obwohl sie's taten!
Denn keine Günstlinge erkennt der schlechtgelaunte Herbst.

Den dünnen Lichtstrahl der Laterne lässt der zugezogene Vorhang
auf die Kastentüre fallen, wo der Schlüssel stolz,
als hätte die Beleuchtung seinem Wert gegolten,
den matten Abglanz mit der Quaste schmückt.
Ich zähle deine ruhigen Atemzüge und erschrecke,
wenn stolpernd sich mein Herzschlag überschlägt.

Sonntag, 09. September 2007

Klagenfurt, Neuer Platz

Klagenfurt, Neuer Platz, schneeloser Jännertag

Der weite Platz, auf dem die alte Steinskulptur
nicht mehr erschrecken will,
da selbst des Ungeheuers Dräuen
als Wasserspeier ist verstummt,
er fröstelt unterm Raureifmantel,
den ihm der frühe Morgen angelegt.

Kaum heben ihre Blicke spärliche Passanten,
die noch den Nachtdunst auf den Stirnen tragen,
wenn sie mit Vorsicht
auf dem glänzend glatten Pflaster,
auf dem ein Sturz mit Knochenbrüchen droht,
zu ihren Arbeitsstätten hasten.

Dann spielen den gewohnten Rot-grün Wechsel
ringsum die Ampeln und die Autos kreisen
vorbei an Schaufenstern, Geschäftportalen,
die noch im Weihnachtsschmucke glitzern.
Ein fettes Bettelweib sucht erste Opfer,
Und Duft von Röstkastanien weckt den Tag.


Klagenfurt, Neuer Platz, Mai 2007

Jetzt haben sie dich aufgerissen.
Mit schweren gelben Ungeheuern kratzen sie den Grund,
der immer tiefer sich um deine Mitte breitet.

Die Autos, die dich sonst den ganzen Tag umrunden,
sie bleiben fern, durch bunte Zeichen abgehalten,
wenn sie nicht Taxis oder Autobusse sind.

Die alten Bäume wurden ausgegraben, sie verschwanden
bevor die Menge noch ein Lebewohl gesungen,
doch in die tiefen Furchen, die die Bagger ziehen,

werden in Doppelreihen bald Platanen eingepflanzt.
Auch, wie es scheint, wird dann die weite Fläche
mit Fliesenziegeln abgedeckt oder dergleichen.

Das lärmt und schreit den ganzen Tag und schreckt die Menge weg,
die sich in anderen Quartieren ihren Kaufbedarf,
Kaffeehausklatsch und Rendezvous zu sichern weiß.

Wenn dann nach Arbeitsabschluss balzend stolz mit Festgrimasse
der Bürgermeister deine neue Schönheit preisen wird,
die Stadtverwaltung und sich selbst mit Lob beträufelnd,

den Bürger nicht, der unbefragt dafür mit Steuern zahlte,
dann kehrt zurück zu dir, mein lieber neuer Neuer Platz,
das alte Leben voller Autos, Lärm und CO2.


Klagenfurt, Neuer Platz - Der Lindwurm grollt

Schon bald ist Herbst, jedoch noch immer gähnen
Riesenlöcher um mich her, in denen
sie nach Knochen wühlen oder auch
nach nichts, denn keinen Sinn
kann man den wilden Gesten hier entnehmen.

Wie lange noch? Sie wühlen und zerbrechen
mit Riesengabeln die schon seit Jahrzehnten
um mich angestauten Wurzeladern,
mit denen ich mich ins Geröll verklammere.

Der Schächte Seiten öffnen sich und schamlos
spreizen sie zur Seite meine Flanken,
obwohl ich mit den Schenkeln fest umschlinge
die wild gehasste Tiefgarage, die
vor Jahren schon mir grausam eingepfählt.

Die Glut der Nachmittage des Augusts,
die voll von Staub und Sonne überquellen,
sie lassen die in mich geschnittenen Wunden
verkrusten, so als hätten fremde Pilze
mit Schimmelaussatz meinen Leib vergiftet.

Was man vor vielen Wochen noch erzählt,
die Schatten der Platanen auf den Bänken,
mit denen meine kaum vernarbten Glieder
sie zieren und vom Schmerz befreien wollten,
das alles scheint, als wäre es vergessen.

Die Namenlosen, die mich jetzt durchwühlen
und stoßen mit Maschinen der Zerstörung,
sie scheinen davon selbst nichts mehr zu ahnen.
Sie eifern, meinen Sinn zu leeren und
was war, mit dem Motorgebrülle zu
betäuben und, wenn möglich, zu vernichten.

Einzig und unberührt so stehe ich
der Drache, hier zum Wappentier erhoben.
Aus Stein gehauen, die Beine klotzig breit
und schweigend eingestampft, so döse ich.
Ob ich erwachen sollte, ich der Wächter
dessen, das ich stets so treu bewacht?

Ach, könnt ich meine Flügel neu bewegen,
und mit dem neu belebten Feueratem
die Horde, die sich emsig um mich tummelt,
hinwegzublasen Sodom und Gomorra,
verscheuchen diesen Spuk verwirrter Sünder
und Friede schaffen nach dem Holocaust!


Klagenfurt, Neuer Platz - Resignation

Die schweren Platten schleppten sie herbei des Nachts,
um sie mir aufzuladen über den Gedärmen,
in denen böse knurrend und Benzindampf fauchend
die Autos mich verseuchen, wenn sie durch mich kriechen,
um in der Tiefgarage ihren Platz zu finden.

Dann gießen sie wohl auch Zement in breite Fächer,
um so den Untergrund zu stärken und zu sichern,
was mich für meine Zukunft Schlimmes ahnen lässt,
wie rhythmische Musik und stampfendes Gejohle
vor Buden, wo nur schlechter Schnaps und sehr viel Bier
durch abgestumpfte Kehlen fließt, bis dann die Füße
immer mehr im Zucken und zum Scharren sich finden,
das sich zum Lärme mengt, der nur als dumpfes Dröhnen
aus Lautsprechmäulern fließt und schräg die Luft zerhackt.

Auch auf der andern Seite hinter Herkules
scheint nun die Kaiserin ihrer Befreiung nahe,
denn wenn das Bretterwerk, das jetzt sie noch verhüllt,
von ihrer mütterlichen Breite wieder absinkt,
dann werden alle drei wie früher wir vereint,
die stolze Kaiserin, der kühne Herkules,
der mir erneut mit seinen Keulenschlägen droht,
und ich, damit ich die Legende wasserspeiend
aus der gespaltenen Zunge in das Becken plätschere.
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